Recht & Barrierefreiheit
Barrierefreie Website nach BFSG: Was KMU 2026 wissen müssen.
Von muench-seiten · Veröffentlicht 19. April 2026 · Aktualisiert 10. Mai 2026 · 9 Min. Lesezeit

Auf einen Blick
- BFSG gilt seit 28. Juni 2025 für Online-Shops, Buchungssysteme und digitale Dienstleistungen.
- Standard: WCAG 2.1 Level AA (Kontrast 4.5:1, Tastaturnavigation, Alt-Texte, Fokus-Indikatoren).
- Bußgeld: bis zu 100.000 €. Für KMU realistischer: Abmahnungen.
- Auch ohne Pflicht: Barrierefreiheit verbessert Usability, SEO und Reichweite.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist seit 28. Juni 2025 in Kraft. Viele KMU haben es noch nicht umgesetzt, weil unklar ist, wer genau betroffen ist und was konkret zu tun ist. Dieser Leitfaden bringt Klarheit und zeigt, wie Sie pragmatisch vorgehen.
Wer ist vom BFSG betroffen?
Das BFSG gilt für Produkte und Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Konkret betroffen sind:
- Online-Shops jeder Art.
- Buchungs- und Terminsysteme (z.B. für Arztpraxen).
- Websites von Banken, Zahlungsdienstleistern und Telekommunikationsanbietern.
- Apps und digitale Ticketsysteme.
Ausnahmen: Reine Info-Websites ohne Buchungs- oder Shop-Funktion sind formal nicht BFSG-pflichtig. Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte UND unter 2 Mio. € Jahresumsatz) sind bei Dienstleistungen ausgenommen, nicht bei Produktverkauf.
Auch wenn Sie nicht formal verpflichtet sind: Barrierefreiheit verbessert die Usability für alle, reduziert Support-Anfragen und verbessert die Performance und das Google-Ranking.
Was bedeutet „barrierefrei“ technisch?
Der technische Standard heißt WCAG 2.1 Level AA (Web Content Accessibility Guidelines). Vier Prinzipien:
- Wahrnehmbar: Alle Inhalte müssen für alle Nutzer wahrnehmbar sein, auch bei Seh- oder Hörbehinderung.
- Bedienbar: Navigation per Tastatur und Screenreader, nicht nur per Maus.
- Verständlich: Lesbare Texte, erkennbare Sprache, verständliche Fehlerhinweise.
- Robust: Funktioniert mit verschiedenen Browsern und Hilfstechnologien.

Welche Barrieren sind am häufigsten?
Fehlende Alt-Texte bei Bildern
Jedes Bild mit Informationsgehalt braucht einen Alt-Text. Für rein dekorative Bilder setzen Sie alt="" (leerer String). Faustregel: beschreiben Sie kurz, was auf dem Bild zu sehen ist und warum es an dieser Stelle steht.
Schlechte Farbkontraste
Text auf Hintergrund muss ein Kontrastverhältnis von mindestens 4.5:1 haben (für großen Text 3:1). Hellgrau auf Weiß, ein beliebter Agentur-Look, ist oft nicht konform. Fix: Alle Textfarben mindestens auf #555 bei weißem Hintergrund setzen, besser #333 oder #222.
Nicht-tastaturbedienbare Elemente
Jeder Button, Link und jedes Formularfeld muss per Tab erreichbar und per Enter/Space auslösbar sein. Menüs, die sich nur per Hover öffnen, sind problematisch. Fix: Native HTML-Elemente verwenden (button, a, input), nichtdiv mit onClick.
Fehlende Formular-Labels
Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares Label. Placeholder-Text allein reicht nicht, er verschwindet beim Tippen.
Unklare Überschriftenstruktur
Screenreader-Nutzer navigieren per Überschriften-Hierarchie. Eine Seite darf nur ein h1 haben, darauf folgen h2, dann h3. Keine Sprünge.
Fehlende Fokus-Indikatoren
Wenn ein Nutzer per Tab navigiert, muss sichtbar sein, wo er gerade ist. Viele CSS-Resets entfernen den Browser-Default. Fix: eigenen Fokus-Style setzen (outline: 2px solid blue; outline-offset: 2px).

Was muss in die Barrierefreiheitserklärung?
Betroffene Unternehmen müssen auf ihrer Website eine Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen:
- Welche WCAG-Kriterien erfüllt sind.
- Welche Barrieren aktuell noch bestehen.
- Wie Nutzer Barrieren melden können (Kontakt).
- Wann zuletzt geprüft wurde.
Typischerweise wird die Erklärung im Footer verlinkt, neben Impressum und Datenschutz.
Wie teste ich meine Website auf Barrierefreiheit?
Kostenlose Tools für eine erste Prüfung:
- WAVE (wave.webaim.org): Browser-Overlay, markiert sofort Fehler.
- Lighthouse (Chrome DevTools): Accessibility-Score und Fehlerliste.
- axe DevTools (Browser-Extension): automatisierte Tests.
Automatisiert finden Sie etwa 30 bis 40 Prozent der Probleme. Tastaturnavigation und Screenreader-Verhalten müssen manuell geprüft werden.
Was kostet die barrierefreie Umsetzung?
Wer eine komplett neue Website erhält, sollte Barrierefreiheit als Teil des Basispakets bekommen. Bei bestehenden Websites hängt der Aufwand vom Ist-Zustand ab: wenige Stunden (Kontraste und Alt-Texte) bis zum kompletten Relaunch.
Bei uns sind die WCAG-2.1-AA-Grundlagen Teil des Standards, nicht Aufpreis. Mehr dazu auf unserer Leistungsseite.
Welche Bußgelder drohen?
Verstöße können mit bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Praktisch kommt das eher bei großen Anbietern vor. Für KMU ist das realistischere Risiko eine Abmahnung durch Mitbewerber oder Verbände. Wer BFSG-konform ist, hat auch weniger Rechtsrisiko in anderen Bereichen (UWG, DSGVO), weil saubere Webseiten weniger Angriffsfläche bieten.
Häufige Fragen zu Barrierefreiheit und BFSG
Ist meine KMU-Website vom BFSG betroffen?
Wenn Sie online verkaufen, Buchungen oder Bestellungen annehmen: ja. Reine Info-Websites ohne Shop oder Buchungsfunktion sind formal nicht BFSG-pflichtig. Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte UND unter 2 Mio. € Umsatz) sind bei Dienstleistungen ausgenommen, nicht bei Produktverkauf.
Was bedeutet WCAG 2.1 Level AA?
WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines. Level AA ist der mittlere Standard, den das BFSG fordert. Er umfasst vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Konkreter: Farbkontrast mindestens 4.5:1, Tastaturnavigation, Alt-Texte für Bilder, sichtbare Fokus-Indikatoren.
Welche Bußgelder drohen bei Verstößen?
Bis zu 100.000 Euro. Praktisch trifft das eher große Anbieter. Für KMU ist das realistischere Risiko eine Abmahnung durch Mitbewerber oder Verbraucherschutzverbände.
Was kostet die barrierefreie Umsetzung?
Bei neuen Websites: nichts extra, wenn der Anbieter Barrierefreiheit als Standard liefert. Bei bestehenden Websites: wenige Stunden (nur Kontraste und Alt-Texte) bis zum kompletten Relaunch bei stark verschachtelten Strukturen.
Wie teste ich meine Website auf Barrierefreiheit?
Kostenlose Tools: WAVE (wave.webaim.org), Lighthouse in Chrome DevTools, axe DevTools Browser-Extension. Automatisiert finden Sie 30–40 % der Probleme. Tastaturnavigation und Screenreader-Verhalten müssen manuell geprüft werden.